Knalleffekt in Prag: Tschechischer Geheimdienst kritisiert übertriebene Atom-Ausbaupläne

Österreichische Bundesregierung muss endlich wirksame Schritte gegen AKW`s ohne Containment setzten

(2. Dezember 2011) Erstmals regt sich in offiziellen Kreisen in Tschechien Widerstand gegen das gigantomanische Atom-Ausbauprogramm im Rahmen des tschechischen Energiekonzeptes. Die Kritik kommt von einer völlig unerwarteten Seite – dem Geheimdienst – und sorgt für einen Knalleffekt. Während die durch strenge Auslese ausgesuchten „Energieexperten“ übertriebene Verbrauchszenarien ohne fachliche Begründung erstellen und sich in der Anzahl der neuen Reaktoren gegenseitig übertreffen wollen, sorgte die Stellungnahme des tschechischen Auslandsgeheimdienstes für Ernüchterung. Die Behörde stellt fest, dass die „bombastischen und unrealistischen Pläne“ des Industrieministeriums schließlich für die Zukunft der Atomkraft in Tschechien kontraproduktiv sein könnten. „Auch wenn wir uns mit dem Ziel der Erhaltung des Anteils der Kernenergie an der Stromproduktion identifizieren, empfinden wir das vorliegende Energiekonzept als eine Diskreditierung dieses Ziels oder sogar seine Gefährdung“, heißt es in der Stellungnahme. Der Auslandsgeheimdienst weist auf die Tatsache hin, dass die Ausbaupläne zunehmend auf negative Reaktionen in anderen EU-Ländern stoßen.

Das Aussenministerium in Prag merkte in seiner Stellungnahme an, dass die negativen Reaktionen auf die Ausbaupläne zur baldigen Schließung der veralteten Reaktoren am Standort Dukovany führen könnten. „Es ist sehr erfreulich, dass sich endlich auch auf offizieller Ebene Kritik an den gigantomanischen Atom-Ausbauplänen rührt“, erklärt Radko Pavlovec, unabhängiger Energieexperte. „Die österreichische Bundesregierung muss nun dringend eine internationale Initiative zur Stilllegung veralteter Reaktoren ohne Containment im Lichte der Fukushima-Katastrophe starten“, fordert Pavlovec.