Tschechische Regierung korrigiert megalomanische Atom-Ausbaupläne

Statt 18 neuen Reaktoren wird nur mehr am Bau von zwei neuen Blöcken am Standort Temelin festgehalten

PAVLOVEC ENERGY CONSULTING (8.2.2012) Die tschechische Regierung korrigiert nach massiver Kritik von mehreren Seiten – unter anderem vom tschechischen Auslandsgeheimdienst – ihre Pläne für einen massiven Ausbau der Kernenergie.  Diese Pläne zum Bau von bis zu 18 neuen Reaktoren mit Erschließung neuer AKW-Standorte sorgten nicht nur  in Tschechien, sondern auch in den Nachbarländern für Empörung. Die korrigierten Pläne rechnen „nur mehr“ mit der Errichtung von zwei neuen Reaktoren am Standort Temelin sowie der Verlängerung des Betriebs des AKW Dukovany bis zum Jahr 2035. Für die Errichtung von zwei neuen Blöcken am Standort Temelin wurde bereits ein grenzüberschreitendes UVP-Verfahren eröffnet, welches vor ca. einem Jahr unterbrochen wurde.

Die Ursache für die bedeutende Kursänderung liegt unter anderem in der starken Kritik aus den Reihen der tschechischen Wirtschaft sowie im Austausch des primär zuständigen Industrieministers. Die megalomanischen Ausbaupläne wurden unter dem früheren Minister Martin Kocourek forciert, der lange Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender der Firma CEZ tätig war. Laut den auf der Grundlage von fragwürdigen Verbrauchsprognosen erstellten Szenarien sollte der Atomstromanteil 80-90% erreichen. Tschechien sollte auf diese Art zum größten Stromexporteur in der EU avancieren. Vertreter der tschechischen Industrie kritisierten wiederholt diese Pläne und forderten, künftig auf die Exporte zu verzichten.

Die Korrektur der völlig überzogenen Ausbaupläne ermöglicht zwar eine realistischere Diskussion, von Entwarnung kann jedoch selbstverständlich nicht gesprochen werden. Die zwei neuen Blöcke in Temelin werden für die Versorgung des Landes nicht benötigt und würden ausschließlich Exportzwecken dienen. Das UVP-Gesetz, auf dessen Grundlage das derzeit laufende UVP-Verfahren durchgeführt wird, widerspricht dem EU-Recht. Die österreichische Bundesregierung unternimmt keinerlei Schritte zur Wahrung der Interessen österreichischer Staatsbürger in diesem Verfahren. Auch die angestrebte Verlängerung des Betriebes des ältesten AKW Dukovany um 20 Jahre muss als sehr problematisch angesehen werden, da die sowjetischen Reaktoren – so wie die Fukushima-Reaktoren – über kein Containment verfügen.